Kurs: Milieusensible Gemeinde- und speziell Jugendarbeit

  • 18.-20. Oktober 2016
  • Tagungsort Marburg, Evang. Hochschule Tabor (EHT)
  • Programm:
    (I) Einführung in die Lebensweltforschung und das SINUS-Milieu-Modell
    (II) Grundanliegen einer milieusensiblen Gemeinde- und Jugendarbeit
    (III) Die Lebenswelten Jugendlicher: Einsichten der SINUS-Jugendforschung und der Shell-Studie, Konsequenzen für die Arbeit mit Jugendlichen
  • Unterbringung und Verpflegung kann an der EHT (Evangelische Hochschule Tabor) selber gebucht werden (06421/967 300).
  • Referenten: Peter Martin Thomas, Leiter der SINUS-Akademie, Diplompädagoge, Supervisor, Organisationsberater; einer der Fachleute, die die SINUS-Jugendstudien verantwortet haben; Prof. Dr. Heinzpeter Hempelmann, Religionsphilosoph, wiss. Direktor des Tangens-Institutes und wissenschaftlicher Berater der Studie „Evangelisch in Baden und Württemberg“
  • Kosten: 180€ Kursgebühr
  • Akademische Validität: (a) Im Rahmen eines MA-Studiums an der EHT werden unter Voraussetzung entsprechender begleitender akademischer Leistungen 2 ECTS anerkannt; (b) Anerkennung im Rahmen des hochschulzertifizierten Kurses „Religiose Kommunikation in der (Post-)Moderne“
  • Veranstalter: Tangens-Institut für Kulturhermeneutik und Lebensweltforschung
  • Anmeldefrist bis zum 18. September 2016.

Wie kann Kirche Ehrenamtliche gewinnen?

Wie kann Kirche Ehrenamtliche gewinnen?

Zu dem anspruchsvollen Fortbildungsprogramm, dass die beiden südwestdeutschen Kirchen in Baden und Württemberg in Verbindung mit der SINUS-Akademie (Peter Martin Thomas) und dem Tangens-Institut für Kulturhermeneutik und Lebensweltforschung (Heinzpeter Hempelmann) etabliert haben, gehören neben den halbjährlich stattfindenden Multiplikatorenschulungen für Milieuberater/innen auch Studientage. Diese suchen die Lebensweltperspektive für spezielle Fragen fruchtbar zu machen.

Am 7.7.2016 fand im Forum Hohenwart eine Begegnung statt, deren Thema „Motivieren zum Ehrenamt“ neben Theologen auch „ganz normale Menschen“ und neben Schwaben und Badenern auch Interessierte von weiterher angezogen hat. Bemerkens- und berichtenswert ist aus meiner Sicht:

  • Das starke Echo zeigt, wie sehr hier den Kirchen, und wie die Aussprache deutlich machte, auch anderen gesellschaftlichen Institutionen der Kittel brennt. Einerseits funktionieren viele Bereiche in unserer Gesellschaft nicht ohne Mitarbeit von Ehrenamtlichen, andererseits wird es immer schwerer, Menschen fürs ehrenamtliche Engagement zu gewinnen. Präziser gesprochen: Menschen mit den üblichen, klassischen Argumenten zu gewinnen.
  • Hier setzte die Tagung an. Kerngedanke: Die Gesellschaft differenziert sich auch hinsichtlich des ehrenamtlichen Engagements aus. Wenn wir Menschen für ehrenamtliche Mitarbeit gewinnen wollen, müssen wir ernstnehmen, wie unterschiedlich die Motivationen sind, die Menschen bereit machen, sich für den Nächsten und das Gemeinwohl einzusetzen. Die lebensweltliche Ausdifferenzierung zieht nach sich, dass Argumente, die für eine konservativ-etablierte Persönlichkeit Motiv genug sind, einen Adaptiv-Pragmatischen noch lange nicht ansprechen. Wer gewinnen will, muss die jeweilige Lebensweltlogik derer, die er gewinnen will, ernst nehmen und von ihr her denken. Dann zeigt sich, dass der benefit eben höchst unterschiedlich ist.
  • Es zeigt sich aber auch, dass schon auf der Ebene der Sprache und der verwendeten Begriffe „das Problem beginnt“ bzw. greifbar wird. Ehre und Amt gehören zum aktiven Wortschatz vieler Jüngerer einfach nicht dazu, sind vielmehr einer verschollenen, nicht mehr zugänglichen mentalen Welt. Auch der Begriff der „Freiwilligenarbeit“ löst vielfach verfehlte Assoziationen und nicht nur angenehme Konnotationen aus. MaW., das Ehrenamt für alle Milieus gibt es gar nicht, sehr wohl aber verschiedene Möglichkeiten, Menschen auf ihr Engagement für andere anzusprechen: Da stehen dann neben der klassischen Sachspende, Geldspende oder Ressourcenspende in traditionsorientierten Milieus die Bereitschaft von Expeditiven, auf dem Gemeindefest den Kirchturm hochzuklettern, von Performern, ihr Orga- und Admintalent kostenlos in ein Projekt einzubringen, bei dem sie zeigen können, was sie können; von Adaptiv-Pragmatischen, etwas zu tun, was (auch) den eigenen Kindern einen handfesten Nutzen bringt.

(Weitere Infos:

  • MDG-Milieuhandbuch 2013. Religiöse und kirchliche Orientierungen in den Sinus-Milieus, im Auftrag der MDG Medien-Dienstleistung GmbH, Heidelberg / München 2013;
  • Heinzpeter Hempelmann/ Karen Hinrichs/ Ulrich Heckel/ Dan Peter (Hrsg.): Auf dem Weg zu einer milieusensiblen Kirche. Die SINUS-Studie „Evangelisch in Baden und Württemberg“ und ihre Konsequenzen für kirchliche Handlungsfelder, Neukirchen 2015 [Kirche und Milieu Bd. 2], 131-140)

 

Gebet und kultureller Wandel

In der letzten Beilage „Christ und Welt“ der Wochenzeitung DIE ZEIT (2016/31) findet sich ein Artikel zum Thema „Erhöre uns!“ von Laura Diaz. Ihm liegt auch ein Interview mit Heinzpeter Hempelmann zu Grunde. Für mich war die Überzeugung leitend, dass vor allem die Megatrends Individualisierung und Pluralisierung sich auch auf dem Feld praktizierter Religion und im konkreten Vollzug christlichen Glaubens niederschlagen. Ritualisierte Frömmigkeit tritt in ihrer Bedeutung zurück, experimentelle, freie Frömmigkeit nimmt zu. Das Alte, ehemals Dominante verschwindet nicht völlig, wird aber zu einem Erscheinungsbild unter anderen. Religionsphilosophisch bedeutet das nicht eo ipso, dass Religion nur eine Funktion menschlichen Selbstverständnisses, Frömmigkeit eine Expression jeweiliger Befindlichkeit ist. Wir stehen vielmehr vor einem Phänomen, auf das wir schon im Alten und Neuen Testament und in der Geschichte des Christentums treffen: Vitale Religion eignet sich die wechselnden soziokulturellen Formate an und durchdringt sie. Theologisch gesprochen: Der Geist Gottes verwandelt sich die jeweiligen kulturellen Formate an, „inkarniert“ sich in sie,- nicht ohne sie auch zu verändern. Man muss dann nicht sofort „Abfall“, „Verfall“, „Verlust des Christlichen“ rufen, wenn man auf solche Adaptionsprozesse trifft, sondern kann diese auch positiv im Sinne eines zeitgemäßen Christentums deuten, das vielleicht in den Tranformationsprozessen auch wieder Ursprüngliches entdeckt und stärker unterstreicht: Gehört es nicht zum Gebet, dass es als das Allerpersönlichste zwischen mir und Gott hochindividuell und phänomenologisch demgemäß immer vielgestaltig war?

Milieuunterscheidung in der Telefonseelsorge?

Milieuunterscheidung und Telefonseelsorge –
macht das Sinn? Lebt die Lebensweltforschung und – sensibilisierung nicht davon, daß man die Menschen, die outfits, die Wohnzimmer, die Lebenswelten sieht, die man unterscheiden will, um besser kommunizieren zu können? Genauso habe ich auch gefragt, als ich von einer großen regionalen Telefon-Seelsorge eingeladen wurde, einen Studientag zum Thema zu gestalten. Das Treffen, bei dem ich selber sehr viel gelernt habe, brachte ein mehrfaches Ergebnis:
(1) Milieuforschung und Milieuunterscheidung kann auch da helfen, wo man es zunächst nicht erwarten würde. Die Differenzierung verschiedener Lebenswelten macht auch da Sinn, wo man die Menschen, mit denen man spricht, nicht vor sich sieht. Das Kommunikationsverhalten von Menschen, ihre Sprache und Artikulation, ihr Wortschatz und ihre Tonalität ist ja nicht unabhängig von ihrer Lebenswelt, sondern Teil ihrer lebensweltlichen Prägung. Es gilt das biblische Wort: „Deine Sprache verrät Dich!“ (Mt 26,73). Die Sprechweise kann gepflegt und koordiniert oder ungepflegt und gebrochen, unvollständig sein, die Aussprache hochdeutsch oder mundartlich, mit regionaler Prägung, der Wortschatz kann groß sein oder eher beschränkt; wir finden subkulturelle Semantiken oder ausgeprägtes „Denglish“. Auch die Themen und Anliegen schlagen sich in den beherrschenden semantischen Feldern (Normen, Geld, Beziehungen etc.) wieder. Sprache und Redeweise, die Art und Weise der Kommunikation – all das läßt ziemlich präzise Rückschlüsse auf die jeweilige Lebenswelt der Anrufer zu. Eine solche Zuordnung hilft aber umgekehrt, mit dem Gegenüber besser, weil angemessener zu kommunizieren. Erwartet mein Gegenüber Trost oder Ratschläge, ist er selber schlau und will nur jemanden, der ihm zuhört; will er oder sie diskutieren oder ist die gängige Spiegel-Methode Fehl am Platz, weil jemand sich danach sehnt, auch einen vergewissernden Impuls zu bekommen?
(2) Gerade die Reflexion der Kommunikationsprozesse machte dann deutlich: Auch die Milieuzugehörigkeit der Mitarbeiter/innen der Telefon-Seelsorge (= TS) ist von Belang. Wir stoßen durch unsere mitgebrachten Einstellungen und Konzepte, um von den Distinktionsschranken und Ekelgrenzen ganz zu schweigen, sehr schnell an unsere eigenen Grenzen. Immerhin erlaubt es die Milieuperspektive, diese zu artikulieren und dann ggf. auch Gespräche zu delegieren.
(3)  Und noch ein letztes, wie ich finde ebenso interessantes wie hilfreiches Ergebnis: Es gibt Milieus, die den Service der Telefon-Seelsorge in Anspruch nehmen, und solche, die in der Kommunikation der TS kaum vorkommen. Will TS ihre Reichweite erweitern, müßte sie darüber nachdenken, ob sie vielleicht auch in andere, alternative Medien vorstößt. Der Gebrauch des Telefons ist heute für viele nicht mehr das Medium der Wahl. Telefon-Seelsorge in social media, in anonymen chat-rooms, über Facebook und Whatsapp. Ist das ein Desiderat für einen segensreichen und notwendigen Service, der zukunftsfähig bleiben will?

Erste akademische Verwertung der Mentalitätendeklination – Eine Überprüfung der Reichweite des Willow-Creek-Leitungskongresses in Leipzig (2014)

Jan Dück hat in seiner Magisterarbeit „Den Postmodernen ein Postmoderner? Eine kritische Untersuchung des Willow-Creek-Leitungskongresses aus Sicht der drei Basismentalitäten“  am IGW die mentale Unterscheidung von prämodern-traditionsorientiert, modern-kritisch und postmodern-pluralistisch aufgenommen, um die Reichweite zentraler Verkündigungs- und Theologie-Inhalte der Willow-Creek-Bewegung zu analysieren. Wir dokumentieren eine Zusammenfassung des Verfassers:

Den Postmodernen ein Postmoderner?

In der IGW-Abschlussarbeit wurde der Willow Creek Leitungskongress 2014 aus Sicht der drei Basismentalitäten nach Heinzpeter Hempelmann untersucht.

Im ersten Teil der Arbeit werden auf Basis des Buches Prämodern, modern, postmodern – Warum ticken Menschen so unterschiedlich? die allgemeinen und speziell christlichen Überzeugungen der einzelnen Mentalitäten dargestellt. Anhand dieser Darstellung wurden Kriterien für die Kongressvorträge in Form von Thesen formuliert. Im zweiten Teil der Arbeit untersuchte der Autor insgesamt fünf Vorträge von Bill Hybels, Michael Herbst und John Ortberg auf diese Thesen hin. Nach einer eingehenden Analyse im Kontext der drei Basismentalitäten wurde die Validität der Thesen bewertet und daraus Empfehlungen für zukünftige Kongresse abgeleitet.

Die Hauptthese erwies sich dabei als richtig: Die Vorträge auf dem Willow Creek Leitungskongress in Leipzig sprechen am ehesten ein prämodernes und nur teilweise ein modernes Klientel an; postmoderne Christen aber werden nicht erreicht. Zu diesem Ergebnis kam der Autor mit Hilfe von acht Unterthesen, die sich an den allgemeinen und speziell christlichen Überzeugungen der Basismentalitäten anlehnen.

Die Empfehlungen für zukünftige Kongresse lauten in Kurzform:

  • Öffnung für Wahrheitspluralismen unter Berücksichtigung von Joh 14,6
  • Neubetonung von Lebensfreude aus dem Evangelium heraus
  • Berücksichtigung und Wertschätzung alternativer christlicher Glaubensformen
  • (digitale) Vernetzung und Förderung des Austausches als Beitrag zu mehr Vielfalt
  • Erweiterung des Kongressangebotes im Hinblick auf verschiedene Gotteszugänge
  • Größere Abwechslung in der Referentenauswahl und mehr Erfahrungsberichte
  • Erweiterung des ekklesiologischen Verständnisses um postmoderne Aspekte, Förderung von Diskussion und Reflektion der Kongressinhalte
  • Mission als unaufdringlichen Akt leben lernen

Der entscheidendste Anknüpfungspunkt an diese IGW-Abschlussarbeit ist die Erarbeitung bzw. Entdeckung einer vierten, evangeliumsgemäßen Mentalität.

© IGW International – www.igw.edu

Mit der Bibel etwas anfangen können, ohne Fundamentalist zu sein?

Die Nachrichtenredaktion idea hat im Anschluß an den Evang. Kirchentag in Stuttgart einen Bericht über die Veranstaltung „Bibel.Fundament.Fundamentalismus“ gebracht. Weniger diese Veranstaltung, dafür aber die idea-Meldung hat Einiges an Irritationen ausgelöst. Da ich selber involviert und immer wieder auf die Meldung angesprochen worden bin, schließlich die Thematik auch Relevanz hat für kirchliche und religiöse Lebenswelten, lege ich Wert auf die folgenden Feststellungen:
(1) Die Veranstaltung war Fundamentalismus-kritisch angelegt. Ich habe das gewusst, habe mich aber darauf eingelassen, um auch ausdrücklich einem allgemeinen F-Bashing zu wehren, mit dem wir es uns insgesamt zu leicht machen („Fundamentalisten“ sind ohnehin immer nur die anderen).
(2) Ziel meiner Ausführungen war es weiter, zwischen fundamentalistisch und evangelikal zu unterscheiden und für einen Schriftumgang zu plädieren, der zugleich intellektuell verantwortet ist wie auch die Autorität der Bibel berücksichtigt.
(3) Ich habe in der langen Diskussion auf dem Podium und hinterher mit dem Publikum mehrfach darauf hingewiesen: Der F. als konservative Protestbewegung antwortet auf Probleme und muß von daher verstanden werden (Berger: Fundamentalismus entsteht, wo die Fundamente wegbrechen). Moderne und Postmoderne stehen vor denselben Herausforderungen, und viele halten ihre Antworten nicht für besser.
(4) Ich habe Prof. Dinkel direkt widersprochen, der meinte, Jesu Gehen über das Wasser, die Auferstehung etc. allein symbolisch verstehen zu müssen. Ich habe seine Position als eine bloße Interpretation dekonstruiert und auf die wissenschaftstheoretisch naive Annahme von naturwissenschaftl. Weltbildern, auf die er sich bezog, hingewiesen … Also, diese Positionen sind nicht unwidersprochen geblieben, und die Kritik hat massiv Beifall bekommen.
(5) Meine mir zugewiesene Aufgabe bestand in einem Eingangsvotum zur Frage, inwiefern Fundamentalismus dem christlichen Glauben schadet. Frau Prälatin Wulz hatte umgekehrt die Aufgabe, „fundamentalistische Positionen“ zu verstehen und ihnen etwas abzugewinnen.
(6) Der idea-Artikel ist unseriös, weil er all diese Differenzierungen und Zwischentöne unterschlägt. Die Veranstaltung wurde erst literarisch eindeutig gemacht.
(7) Wer den Bericht liest, kann den Eindruck gewinnen, daß der zuständige Redakteur der Veranstaltung nur zum Teil beigewohnt hat. Das ist bei einer Diskussionsveranstaltung, die sogar ins Plenum geöffnet wurde und die eben nicht nur aus den wenigen Eingangsvoten bestand, journalistisch und sachlich mißlich.
(8) Wer die idea-Meldung liest, kann den Eindruck bekommen, daß die evangelische Kirche auf einer der zentralen theologischen Veranstaltungen des Kirchentags in bekannter und üblicher Weise auf die frommen und konservativen ihrer Glieder eingeschlagen hat. Die Meldung bedient zwar eingefahrene Vorurteile und Erwartungen, sie dient aber nicht der Wahrheitsfindung und wird der Summe der Voten nicht gerecht.
(9) Über die Erarbeitung dessen, was man präzise unter „Fundamentalismus“ verstehen kann, hinaus stand über weite Teile des Plenums die Frage im Mittelpunkt, welche positive Bedeutung die Bibel denn für die Kirche und für die einzelnen Menschen haben kann und wie sie Verbindlichkeit für Glaube und Leben gewinnen kann. Es war beeindruckend, welche teilweise auch sehr persönlichen Berichte die Dame und die Herren auf der Bühne hier lieferten. Das war im besten Sinne glaubensstärkend und verbindend.
Das Nachrichtenmagazin idea dient weder der evangelischen Welt, noch dem Pietismus und schon gar nicht sich selbst, wenn es solche komplexen Materien in dieser verkürzenden und vereinfachenden Weise darstellt. Es trägt Verantwortung dafür, wenn auf diese Weise Gräben vertieft werden, die sachlich nicht gerechtfertigt sind und die andere zum Wohle des Ganzen zu überwinden suchen.
Wer die Reaktion auf den Beitrag in idea für übertrieben hält, dem zitiere ich gerne einen Auszug aus einer an mich gerichteten Mail vom 6.6.:
„[…] wenn das zutrifft, was Sie laut IDEA vom  4. Juni 2015 im Rahmen des Kirchentages geäußert haben sollen (und IDEA ist korrekt), dann erfüllen Ihre Aussagen den biblisch-christlichen Tatbestand des Irrlehrers, des falschen Propheten, des Antichristen, des Wolfs im Schafspelz, usw.“
Die Hervorhebung stammt nicht von mir, aber sie ist bezeichnend. Die Attributionen als Verführer der Christenheit stehen nur theoretisch unter einem Vorbehalt. De facto nicht. De facto ist idea „korrekt“, steht nicht zur Debatte, ist sozusagen unfehlbar.
Ich hänge für alle, die an der Sache interessiert sind, sowohl mein Votum auf dem Plenum an als auch meine vorbereitende Reflexion für die Moderatorin. Wer grundsätzlich an meiner Position zur Hermeneutik interessiert ist, der vgl. „Wir haben den Horizont weggewischt“, wo in Kap. 7 im Anschluß ausgerechnet an F. Nietzsches und in christlichem Geist ein Ansatz entwickelt wird, der versucht, Interpretation als Überwältigungsakt zu vermeiden.

Kirchentag: Podiumsdiskussion „Bibel. Fundament. Fundamentalismus“

Am 4. Juni hat Hp. Hempelmann auf dem Kirchentag in Stuttgart an einer Podiumsdiskussion zum Thema „Bibel. Fundament. Fundamentalismus“ teilgenommen. Hier kann man das Eingangsstatement zum Thema „Inwiefern schadet der Fundamentalismus der Glaubwürdigkeit des christlichen Glaubens?“ lesen.  In diesem Interview wird der Kontext der Aussagen deutlich.
Mein Ziel war es, deutlich zu machen, dass der Bibelfundamentalismus als konservative Protestbewegung auf Probleme reagiert, vor denen auch modern-kritische und postmodern-pluralistisch eingestellte Zeitgenossen stehen. Meine These ist, dass die modernen und postmodernen Antworten ggf. reflektierter sind, aber von vielen Menschen nicht als tragfähiger empfunden werden.